Geschichte und Zeit
Quote from l.gaigal on 06/04/2020, 14:09Urspünglich war das ein Versuch einer Kartierung, die als Basis für die geschichtliche Entwicklung des ersten Bezirks dienen kann. Dabei trat dann schnell die Frage auf: Wie kann ich es schaffen, auf dem Papier räumliche, zeitliche, inhaltliche, quantitative und qualitative Informationen darzustellen, diese intuitiv miteinander zu verbinden, können Gefühle oder Assoziationen auch ein Teil dieser Karte sein?
Grundlage ist die Karte ohne die ganzen Transparentausschnitte! Sie zeigt verschiedene nicht zeitlich eingeordnete Aspekte auf und setzt diese miteinander in Bezug. Man könnte die Karte sinnlos nennen, sie stellt ja schon eine Interpretation dar. Zu sehen sind in die Ringstraße (schwarz) und die ehemaligen Stadtmauern (schwarz-weiß gestreift). Christliche Kirchen und Kloster (eckig markiert und kurvig miteinander verbunden) und Würfeluhren (rund markiert, miteinander verbunden). Versiegelte Flächen (rot-orange 80-100%, hell 50-80%, grün-blau unter 50%) und Brände im Mittelalter (unterschiedlich große, abgesetzte Kreise).
Wenn man diese Dinge miteinander in Bezug setzt entspricht das eher einem zyklischen Geschichtsverständnis, als einem linearen: Die mittelalterlichen Stadtmauern vertedigten Wien in der zweiten Türkenbelagerung, jetzt gibt es eine Straße, die auch eine trennende Funktion hat und früher ebenfalls eine militärische. Im Mittellalter sorgten die Gebetsglocken für ein gemeinschaftliches Zeitgefühl, jetzt sind es öffentliche Uhren. Sowohl die Gefahr von Stadtbränden (mehrere verwüsteten allein im 13. Jahrhundert die GESAMTE Stadt, wtf) als auch die Hitze, mit der wir uns heute befassen müssen, beruhen auf Baumaterial, Dachbedeckung und Wind.
Die Transparenten Teile stellen lineare Verläufe dar, die sich räumlich zueinander und mit der Karte in Bezug setzen sollten (dazu muss ich sie aber noch als richtige Puzzleteile zeichnen, so ist es erstmal eine Skizze). Das sind zum Einen die Monarchen, die ihre Bedeutung teilweise mit den Orten erhalten, an denen sie liegen. Dann das jüdische Leben, oft in Abhängigkeit von jeweiligen Regierenden und räumlich in Bezug gesetzt. Dann größere kriegerische Konflikte. Da wären eigentlich noch viel mehr, die ich jetz tnicht geschafft habe. Staatliche Definition von Österreich. Krankheiten. Verfassung und Menschenrechte. Demokratie.
Ich möchte eigentlich gar nicht so viel über die Informationen, die ich hier zeige, reden, sondern eher darüber, was für ein Geschichtsverständnis dahinter steht. Die Karte hat auch gar keinen Perfektionsanspruch, sondern ist eher ein Gedankenprodukt. Jacob Burckhardt schreibt, aus de Geschichte zu lernen ist "die nüchterne Erkenntnis unserer wirklichen Situation: Kampf und Leiden, kurzer Ruhm und langes Elend, Kriege und zwischendurch Perioden des Friedens. Alles ist gleich bedeutsam, und nichts offenbart einen letzten Sinn." Löwith schreibt, der Glaube an die Geschichte (vielleicht kann damit auch ihre Linearität, in der alles aufeinander aufbaut und es keinen Weg zurück gibt, gemeint sein?) ist eine Entfremdung von der natürlichen Theologie des Altertums und der übernatürlichen Theologie des Christentums, die beide einen geschichtlichen Rahmen und einen nicht-geschichtliches Horizont der Erfahrung und des Verständnisses geben. Am Ende ist meine Karte vielleicht eine Darstellung von nichtgeschichtlichen Rahmen (Abgrenzung, Zeit, Selbstzerstörung)...
Das sind so meine Gedanken... was denkt ihr?
Urspünglich war das ein Versuch einer Kartierung, die als Basis für die geschichtliche Entwicklung des ersten Bezirks dienen kann. Dabei trat dann schnell die Frage auf: Wie kann ich es schaffen, auf dem Papier räumliche, zeitliche, inhaltliche, quantitative und qualitative Informationen darzustellen, diese intuitiv miteinander zu verbinden, können Gefühle oder Assoziationen auch ein Teil dieser Karte sein?
Grundlage ist die Karte ohne die ganzen Transparentausschnitte! Sie zeigt verschiedene nicht zeitlich eingeordnete Aspekte auf und setzt diese miteinander in Bezug. Man könnte die Karte sinnlos nennen, sie stellt ja schon eine Interpretation dar. Zu sehen sind in die Ringstraße (schwarz) und die ehemaligen Stadtmauern (schwarz-weiß gestreift). Christliche Kirchen und Kloster (eckig markiert und kurvig miteinander verbunden) und Würfeluhren (rund markiert, miteinander verbunden). Versiegelte Flächen (rot-orange 80-100%, hell 50-80%, grün-blau unter 50%) und Brände im Mittelalter (unterschiedlich große, abgesetzte Kreise).
Wenn man diese Dinge miteinander in Bezug setzt entspricht das eher einem zyklischen Geschichtsverständnis, als einem linearen: Die mittelalterlichen Stadtmauern vertedigten Wien in der zweiten Türkenbelagerung, jetzt gibt es eine Straße, die auch eine trennende Funktion hat und früher ebenfalls eine militärische. Im Mittellalter sorgten die Gebetsglocken für ein gemeinschaftliches Zeitgefühl, jetzt sind es öffentliche Uhren. Sowohl die Gefahr von Stadtbränden (mehrere verwüsteten allein im 13. Jahrhundert die GESAMTE Stadt, wtf) als auch die Hitze, mit der wir uns heute befassen müssen, beruhen auf Baumaterial, Dachbedeckung und Wind.
Die Transparenten Teile stellen lineare Verläufe dar, die sich räumlich zueinander und mit der Karte in Bezug setzen sollten (dazu muss ich sie aber noch als richtige Puzzleteile zeichnen, so ist es erstmal eine Skizze). Das sind zum Einen die Monarchen, die ihre Bedeutung teilweise mit den Orten erhalten, an denen sie liegen. Dann das jüdische Leben, oft in Abhängigkeit von jeweiligen Regierenden und räumlich in Bezug gesetzt. Dann größere kriegerische Konflikte. Da wären eigentlich noch viel mehr, die ich jetz tnicht geschafft habe. Staatliche Definition von Österreich. Krankheiten. Verfassung und Menschenrechte. Demokratie.
Ich möchte eigentlich gar nicht so viel über die Informationen, die ich hier zeige, reden, sondern eher darüber, was für ein Geschichtsverständnis dahinter steht. Die Karte hat auch gar keinen Perfektionsanspruch, sondern ist eher ein Gedankenprodukt. Jacob Burckhardt schreibt, aus de Geschichte zu lernen ist "die nüchterne Erkenntnis unserer wirklichen Situation: Kampf und Leiden, kurzer Ruhm und langes Elend, Kriege und zwischendurch Perioden des Friedens. Alles ist gleich bedeutsam, und nichts offenbart einen letzten Sinn." Löwith schreibt, der Glaube an die Geschichte (vielleicht kann damit auch ihre Linearität, in der alles aufeinander aufbaut und es keinen Weg zurück gibt, gemeint sein?) ist eine Entfremdung von der natürlichen Theologie des Altertums und der übernatürlichen Theologie des Christentums, die beide einen geschichtlichen Rahmen und einen nicht-geschichtliches Horizont der Erfahrung und des Verständnisses geben. Am Ende ist meine Karte vielleicht eine Darstellung von nichtgeschichtlichen Rahmen (Abgrenzung, Zeit, Selbstzerstörung)...
Das sind so meine Gedanken... was denkt ihr?
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